Als ich an den Kurzgeschichten nicht mehr weiterkam
Am Adventskalenderbuch konnte ich zunächst gut arbeiten. Die Kurzgeschichten waren angelegt, einzelne Texte geschrieben, der Rahmen stand. Ich hatte einen Überblick über die geplanten Geschichten und wusste, welche Texte noch fehlten. Zu Beginn war klar, womit ich mich morgens beschäftigen wollte, und ich hatte das Gefühl, im Projekt gut verankert zu sein.
Mit der Zeit änderte sich das. Ich brauchte länger, um anzufangen. Ich setzte mich an den Schreibtisch, öffnete die Dateien und begann zu lesen, statt zu schreiben. Ich verschob kleine Dinge, überarbeitete einzelne Formulierungen und blieb bei bereits geschriebenen Passagen hängen, ohne dass daraus neue Texte entstanden. Desto öfter blieb ich an denselben Stellen hängen.
An manchen Tagen wusste ich nicht sofort, wo ich beginnen sollte. Ich las Passagen erneut, ohne etwas zu verändern. Manche Sätze ließ ich stehen, weil ich nicht wusste, wie ich sie weiter bearbeiten sollte. Ich arbeitete weiter, ohne dass sich daraus ein nächster Schritt ergab. Am Ende der Schreibzeit hatte ich Zeit investiert, aber kaum Text gewonnen.
Neben meiner Arbeit merke ich schnell, wie begrenzt meine Kräfte sind. Wenn Schreiben zusätzlich Energie kostet, wird das spürbar. Ich begann, vorsichtiger zu arbeiten, ohne mir das bewusst vorzunehmen. Entscheidungen blieben liegen, Texte wurden nicht abgeschlossen, und die Schreibzeit fühlte sich zunehmend schwerfällig an. Die Kurzgeschichten waren vorhanden, aber das Schreiben kam über mehrere Tage hinweg kaum voran.
Was diese Blockade in diesem Projekt angezeigt hat
Bei den Adventskalendergeschichten zeigte sich die Blockade schrittweise. Ich arbeitete weiter, las die Texte erneut und nahm kleinere Änderungen vor, ohne dass daraus neue Ansätze entstanden. Über mehrere Arbeitstage hinweg blieb der Zustand gleich. Es entstanden keine neuen Szenen, keine klaren nächsten Schritte, keine Entscheidungen, die den Text weitergebracht hätten.
Ich habe diesen Zustand zunächst nicht bewertet. Ich habe ihn beobachtet. Ich habe darauf geachtet, wie ich mich morgens an die Texte setzte, wie schnell ich wieder aufhörte und wie oft ich dieselben Stellen las. Mir fiel auf, dass sich der Ablauf wiederholte, unabhängig davon, welchen Text ich mir vornahm. Das war neu für mich, weil ich sonst im Wechsel zwischen Lesen und Schreiben Bewegung erlebe.
An diesem Punkt wurde mir klar, dass weiteres Dranbleiben in genau dieser Form nichts verändern würde. Nicht, weil das Projekt grundsätzlich falsch war, sondern weil meine Arbeitsweise sich festgefahren hatte. Darauf habe ich reagiert.
Eine zeitlich begrenzte Entscheidung
Ich habe das Schreiben an den Adventskalender-Kurzgeschichten pausiert und mich vorübergehend meinem Sachbuch zugewandt. Mir war wichtig, weiter zu schreiben, auch wenn dieses eine Projekt gerade nicht vorankam. Diese Entscheidung richtete sich nicht gegen literarisches Schreiben, sondern auf das Weiterarbeiten in dieser konkreten Phase.
Das Sachbuch stellte andere Anforderungen. Ich wusste, welches Kapitel ansteht und welche Notizen ich dafür brauche. Ich hatte einen klaren Einstieg und ein absehbares Arbeitsziel. Diese Entscheidung hat meinen Schreiballtag verändert, nicht in seinem zeitlichen Umfang, sondern in der Art, wie ich meine Schreibzeit genutzt habe.
Ich habe in dieser Zeit nicht aufgehört, Belletristik zu schreiben, weil ich sie grundsätzlich infrage stelle, sondern weil die Arbeit an genau diesen Kurzgeschichten gerade nicht weiterführte. Der Wechsel war eine Entscheidung für diesen Moment und für diese Arbeitslage, nicht gegen eine literarische Form.
Schreiben im Alltag und warum Projekte unterschiedlich viel Raum brauchen
Schreiben im Alltag braucht Orientierung. Wenn ich nicht weiß, wo ich beginnen soll, verzettle ich mich am Morgen. Beim Sachbuch war der Einstieg in dieser Phase klarer. Bei den Adventskalendergeschichten nicht. Dieser Unterschied wirkte sich unmittelbar auf meinen Arbeitsrhythmus aus.
Der Wechsel war eine zeitlich begrenzte Entscheidung, die mir in diesem Moment das Weiterarbeiten ermöglicht hat. Er sagt nichts über den Stellenwert der Belletristik in meiner Arbeit aus und auch nichts darüber, wie ich künftig mit anderen Projekten umgehen werde.
Manche Texte lassen sich erst später wieder aufnehmen. Die Adventskalendergeschichten gehören dazu. Sie bleiben Teil meiner Arbeit. Die Pause bedeutet nicht, dass sie abgeschlossen oder aufgegeben sind. Sie bedeutet, dass sie Abstand brauchen, damit sich der Blick darauf wieder verändert.
Wichtig ist für mich, dass Schreiben insgesamt in Bewegung bleibt. Wenn ich die Arbeit an einem Projekt pausiere und gleichzeitig alles andere ebenfalls stillsteht, verstärkt sich das Gefühl des Festfahrens. Durch diese Entscheidung habe ich verhindert, dass sich die Blockade bei den Kurzgeschichten weiter verfestigt.
Das Schreiben geht weiter
Der vorübergehende Fokus auf das Sachbuch hat mir ermöglicht, weiterzuarbeiten, ohne mich an einer Stelle festzusetzen. Ich arbeite regelmäßig, weiß, woran ich schreibe, und halte den Kontakt zur Sprache. Die Adventskalender-Kurzgeschichten bleiben Teil meiner literarischen Arbeit und werden zu einem späteren Zeitpunkt weitergeführt.
Diese Entscheidung schafft Abstand, ohne etwas aufzugeben. Sie hält den Schreibprozess offen und beweglich, auch dann, wenn ein Projekt gerade ruht. Für mich ist das eine praktikable Art, mit Blockaden umzugehen, ohne sie zu dramatisieren.
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Beitragsbild: Foto von Steve Johnson auf Unsplash